18. Woche (28.8.-3.9.2009)

Dann erst blickte Francois sich um. Er befand sich offenbar in einem langen schmalen und nur spärlich erleuchteten Gang. Die Quelle des dämmrigen Lichts war nicht erkennbar. Der Gang selbst schien sich in beide Richtungen ins Unendliche fortzusetzen. Die kühlen glatten Wände zeigten weder Ausbuchtungen noch Beschriftungen irgendwelcher Art. Alles wirkte wie aus einem Guss.

“Shit.” Francois fluchte erneut und fischte sich, äußerst vorsichtig, eine Packung Zigaretten aus dem am Boden liegenden Mantel. Streichhölzer hatte er noch in der Brusttasche seines Hemdes. Er lehnte sich an die Wand, zündete eine Zigarette an und inhalierte tief.

Was für ein Tag! Erst die üblichen Existenzängste, dann ein Hoffnungsschimmer in Form einer durchgeknallten Klientin.

Dann eine Tarantel.

Eine angreifende Tarantel, um genau zu sein.  Francois blies heftig Rauch aus seiner Nase.

Und dann dieser Höllentrip durch das bunte Nichts.

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17. Woche (21.8.-27.8.2009)

Sie fokussierte ihren Blick auf die gekräuselte Stelle. Kein Zweifel! Erste Aminosäuren! Leben war offensichtlich gerade dabei zu entstehen!

“Doch welcher Schmerz wiegt schwerer nur? Der, dass wir nie zusammen sein werden? Oder der, dass du nicht einmal von meiner Liebe ahnst?”

Sorgfältig zerrieb sie die jungfräulichen Verbindungen zwischen ihren Fingern, die Evolution dieses Planeten um Jahrmillionen zurückwerfend.

- – -

Hans-Dieter landete unsanft auf dem kalten, glatten Boden.

Blitzschnell ging der Znork-Krieger in Verteidigungsposition und blickte sich um.

Zu seiner Bestürzung war er von einer Horde anderer Znork-Krieger umgeben, die ihn aus ihrer eigenen Verteidigungspose heraus belauerten!

Hans-Dieter erstarrte. Auch die anderen rührten sich nicht. Langsam tastete er nach dem Aahw.

Auch die anderen griffen nach ihren… Aahws?

Hans-Dieter schalt sich einen Narren. Spiegel! Weitaus glattere, bessere und vor allem mehr als in der Taverne von Hot Patootie – aber dennoch nur Spiegel. Ein wahres Labyrinth aus Spiegeln.

Er ignorierte das Jucken auf der rechten Schulter und suchte einen Ausgang.

- – -

Als Francois endlich landete, war er nur froh, sich bei der Herumwirbelei in diesem Lichttunnel doch nicht übergeben zu haben.

Ein Blick auf seinen Trenchcoat zeigte ihm jedoch, dass diese Freude verfrüht gewesen war.

“Shit.” Er zog ihn aus und warf ihn zu Boden.

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Woche 16 (14.8.-20.8.2009)

Der letzte Vers gehört gar nicht hierher!
Hier in der Vrze Lied!
Wer murkst da rum im Quantenverkehr?
Und auch im Vrzen-Lied?!

Das grenzt ja fast an Blasphemie!
Im heil’gen Vrzen-Lied!
Vergiß es. Alter, du kriegst mich nie!
Ich pööps aufs Vrzen-Lied!

(“Der Vrze Lied”, einzig erhaltene Fassung)

- – -

“Es ist sinnlos…”

Sie starrte trübsinnig auf die Ursuppe des jungen Planeten unter sich.

“Unsere Liebe kann und darf nicht sein… Die Hindernisse sind unüberwindbar! Uns stehen Zeit im Weg und Raum. Und die uralten, ehernen Verbote, nie gebrochen in all den Äonen! Ich kann mich verzehren nach dir Liebster, Weltzeitalter um Weltzeitalter, allein, es ist vergebens. Dieser Weg ist nur Schmerz.”

Wehmütig ließ sie ihren Blick über die brodelnde und dampfende Jungwelt schweifen…
Doch halt, was war das für ein Kräuseln, dort drüben?

Gedankenverloren ließ sie sich näher schweben.

“Es schmerzt, Geliebter, es schmerzt so sehr… Alles daran – und jedes Jota Existenz in mir.”

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Woche 15 (7.8.-13.8.2009)

„Ischeismioh! A n-dimensionala Vortex-Tunnöh dritta Ornung… des sixt a net an jeden Tog!“

Luna R. pfiff beeindruckt durch die Zähne.

“Wos maanst, wo ma do ausse kumman, Dint-Ah? Dint-Ah? DINT-AH?!? Jessas, wo is de oide Puffn? Ma, des gibts jo gor net, is der futsch a no!”

Luna fluchte vor sich hin, während sie durch bunt flirrende Schleier gegen die Wände des Strudels depperte wie eine tollwütige Flipperkugel.

- – -

ENDE DES ERSTEN TEILS

- – -

Was rauscht so hallig durch Äther und Zeit?
Das ist der Vrze Lied!
Was kündet von Wachsamkeit, immer bereit?
Das ist der Vrze Lied!

Was ist fast so machtvoll wie der Schöpfung Gang?
Das ist der Vrze Lied!
Auch wenn sich schon mancher Vrz versang
Im Chor des Vrzen-Lieds!

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Woche 14 (31.7.-6.8.2009)

Dint-Ah verstummte augenblicklich betreten.

“Nun, wie gesagt, ich störe nur ungern, aber ich würde sagen, nachdem ich gerade von einem nach Abwasser – und interessanterweise einer Prise Kakaopulver – stinkenden Monster attackiert wurde, ist eine sprechende Armbrust mein geringstes Problem…“

Die Frau in dem – nunmehr – bauchfreien Kleid wirkte erstaunlich gefasst.

“Was war das überhaupt für ein Ding? Oder besser nein…” Sie schüttelte den Kopf. “Ich will’s gar nicht wissen. Am besten ich vergesse die Sache so rasch als möglich wieder…”

Sie lächelte schwach “Ich meine, aromatisierte Monster, spitzzüngige Armbrüste und Ninja-Amazonen in schwarzen Catsuits mit schwerem Akzent – da halt ich doch lieber meinen Mund, bevor mich wer wo einweist, oder? Wie auch immer, ich wollte mich nur bei euch beiden bedanken… ihr seid mit Abstand die größten Helden, die ich kenne!”

Luna wollte gerade antworten, als sie sich plötzlich auflöste und verschwand.

Dint-Ah polterte zu Boden.

„Macht sie das öfter?“ Die Frau beugte sich interessiert zu ihm hinunter.

„Au. Nein. Nie!“ Die Armbrust klang schon wieder grenzpanisch. „Es ist auch metaphysikalisch unmöglich, dass die Jägerin…“ – damit war auch Dint-Ah verschwunden.

Und hinterließ ein schulterzuckendes, die Mundwinkel verziehendes Ex-Höllenwächter-Opfer, das fand, nun sei aber endgültig der Zeitpunkt gekommen sich hemmungslos zu besaufen.

- – -

„Cool!“ war der erste Gedanke, der Joseph Multiplexx durch den Kopf schoss als er durch den bunten Strudel geschleudert wurde.

Aber schon bald langweilte er sich.

Der „Anti-Grav-Aqua-Park“ auf dem Asteroiden Ceres mit seinen Multimedia-Wasserrutschen war da doch noch um einiges cooler…

- – -

Ganz genau so hatte sich Zeus die Sache mit dem Tapetenwechsel eigentlich nicht vorgestellt.
Aber fürs erste war er dennoch ganz zufrieden.

„Okay, Sie können jetzt die Rothaarige reinschicken, Madame! Mit der Blonden bin ich fertig.“

„Sähr wohl, Monsieur Sös, wie Sie wünschen.“

- – -

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Woche 13 (25.7.-30.7.2009)

“Ha! Des obaste! Do schauat ma oba guat aus, du obrennta Nudlwoika! Des obaste!”

“Ja, ja schon gut…”

Dint-Ah klang ein wenig gekränkt.

„’Das ist ein Höllenwächter, Luna! Nicht diese Bolzen, Luna, nimm geweihte! Am Freitag keine Hostien, Luna! Das oberste Auge, Luna!’ HA!“

Die Jägerin grinste die Armbust in ihrer Hand schadenfroh an.

„I frog mi langsam, wer von uns zwa des ‘Buch Emotikon’ do besser intus hot!“

„Halt, Stop! Lass bitte das Heilige Buch aus dem Spiel, Luna! Und ja, ich habe mich geirrt, okay? War jedenfalls ein guter Schuss von mir…“

„Woos haastn do von dir? Züün tua imma no i!“

„Nicht schon wieder, Luna, du weißt genau, dass der Schuß selber…“

„I pock di net! Nur i…“

„Verzeihung, wenn ich störe…“

Luna R wandte sich blitzschnell um, Dint-Ah die Armbrust, in Sekundenbruchteilen neu geladen, im Anschlag. Als Luna allerdings in der Person vor ihr das zuvor am Boden liegende Opfer des Naatzol erkannte, zog sie die Waffe sofort peinlich berührt aus dem Bauchnabel der Frau, die in einem zerfetzten Kleid nur wenige Zentimeter von ihr entfernt stand.

„Öha…“ murmelte Luna verlegen.

“Ha! Und noch mal, Ha! Das Monster besiegen, aber das Opfer vergessen? Wer kennt da die Regeln auswendig? Ha! Wer?”

Dint-Ah krähte hämisch.

“Und wos is mit ‘Animierte Objekte haben gegenüber uneingeweihten Dritten ihre kognitiven und verbalen Fähigkeiten zu verbergen’? Hm, Oida?”

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Woche 12 (10.7.-16.7.2009)

Nun, dass würde er noch früh genug erfahren. Er drehte dem Fenster den Rücken zu und blickte triumphierend in den Raum.

„Los, Computer! Sag es!“

Zuerst klang es, als würde die Stimme gähnen, aber dann rezitierte der Computer brav das einprogrammierte Lob:

„Spacecowboy Joe – du bist der größte Held der Vereinigten Staaten des Asteroidengürtels!“

Die Türe fuhr zischend auf, und Josephs Mutter sprintete herein.

„Joseph! Keine Lügen! Die Explosion! Deine Freunde! Du hast doch nicht etwa…“

Noch ehe er alles abstreiten konnte, löste Joseph sich auf.

- – -

Francois Truffaut wirbelte scheinbar rasend schnell durch einen von sich verändernden bunten Lichtschlieren begrenzten Raum.
Mangels Fixpunkt konnte er aber weder seine tatsächliche Geschwindigkeit abschätzen, noch ob eigentlich er sich drehte oder der Raum sich um ihn.
Er wusste nicht, wo er war, er wusste nicht, wie er dorthin geraten war, und er wusste nicht, wohin die Fahrt schließlich gehen sollte.
Er wusste nur, wenn das mit der rasenden schnellen Herumwirbelei nicht bald aufhörte, würde er sich gleich sagenhaft übergeben müssen.

- – -

Ein Bolzen löste sich von der Armbrust der Kämpferin, pfiff durch die Luft und durchschlug treffsicher das untere mittlere Auge des Naatzol.
Das Naatzol stoppte seinen Angriff und hielt inne.
Aber sonst geschah nichts.

“Das OBERSTE Auge, hab ich gesagt, Luna!! Das OBERSTE!!”

Luna Rs treue Armbrust war einer Panik nahe.

„Ogottogottogott! Das hält es nicht auf! Nach dem nächsten Unheiligen Zündfunk sind wir Toast!“

Tatsächlich leuchtete soeben ein helles Blitzen in einem nach dem anderen der zehn pentagrammförmig angeordneten Augen des Naatzol auf. Als das Leuchten jedoch das durchschossene Auge erreichte, geschah mehreres in rascher Folge:
Zuerst durchlief ein Zittern den Koloss.
Dann ertönte ein markerschütternder, unmenschlicher Schrei.
Als nächstes begann der Körper des Naatzol rasend schnell zu schrumpfen, um schließlich mit einem satten „Plopp“ zu implodieren.
Zurück blieb bloß ein Geruch von Teer (plus einem Hauch von Tandoori-Gewürzmischung).

“Ha!” Luna blickte triumphierend zwischen ihrer Armbrust und der Stelle hin und her, an der das Naatzol nun nicht mehr war. “Ha!”

[Wrz der Weise macht eine Woche Urlaub - Fortsetzung folgt dann wieder - verläßlich täglich - ab 25.7.2009]

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